Events, Lectures
Redesign the Future – Tag 1
10.05.2021 | Online-Event
Wann
10.05.2021
Wo

„Redesign the future“ – so lautet der Titel des Online-Symposiums im Designmonat Graz, das von der FH JOANNEUM und der Creative Industries Styria in Zusammenarbeit mit dem Green Tech Cluster veranstaltet wird. In drei Panels präsentieren internationale Speaker Lösungen und Best-Practice-Beispiele für das Großprojekt der Zukunft – nämlich die Rettung derselben. Design wird dabei eine entscheidende Rolle übernehmen.

Eigentlich war die Zukunft schon geplant. Man kannte die Probleme und auch die Lösungen. Umsetzen war angesagt. Und dann kam alles anders, und zwar ganz schnell. „Morgen ist das Heute schon wieder von gestern“, sagt man dann gerne. Also zurück an den Start. Es geht heute mehr denn je darum, die Zukunft neu zu denken und neu zu gestalten. Das ist auch das große Thema des Online-Symposiums, das sich der Zukunft auf unterschiedliche Art und Weise nähert. Dafür wird es auch einen philosophischen und spirituellen Unterbau brauchen, wie Stuart Walker in seinem aktuellen Buch „Design and Spirituality“ beschreibt. Er wird das Symposium mit einer Keynote eröffnen. Danach folgen 3 Panels, die sich folgender Themen annehmen: die Zukunft der Designausbildung, das komplexe Themenfeld Klima im urbanen Raum sowie Design, das den Menschen noch stärker ins Zentrum rückt.

Tag 1
MONTAG, 10. MAI 2021

Programmübersicht

 

15.00 UHR: Eröffnung, Begrüßung durch Eberhard Schrempf und Karl Stocker

_Keynote Stuart Walker: Design after a pandemic

_Panel 1: The Future of Design Education

    • Speaker 1: Luisa Bocchietto | independent professional architect and designer and Former president of World Design Organization
    • Speaker 2: Kerstin Scheuch | Centro Mexico
    • Speaker 3: Lorenzo Imbesi | Sapienza University Rome

 

16.45 UHR: Closing

Panel 1
The Future of Design Education

Moderation: Karl Stocker
hosted by FH JOANNEUM, Karl Stocker

Design hat die Entwicklung der Menschheit von Anfang an begleitet und war speziell in den letzten 150 Jahren aktiv an der Entwicklung moderner Industriegesellschaften beteiligt. Daraus entsteht für die Zukunft eine hohe gesellschaftliche Verantwortung, was sich auch in den Curricula der Universitäten und Fachhochschulen widerspiegelt. „Design wird in den Designausbildungen weltweit als Verbesserung des Status quo und als Innovation beschrieben“, so Karl Stocker, Kurator des Symposiums und Leiter des Instituts Design und Kommunikation an der FH JOANNEUM. Das widerspricht der landläufigen Auffassung, dass Design allein auf ästhetische Formgebung abziele. Es geht vielmehr um eine ganzheitliche Perspektive, die auch ethische und moralische Aspekte berücksichtigt. Eine moderne Designausbildung ist somit auch eine Investition in die Gestaltung der Zukunft. Dazu referieren Kerstin Scheuch von der CENTRO-Universität in Mexiko City, Lorenzo Imbesi von der Sapienza University Rome und Luisa Bocchietto von der Citta del Arte in Biella.

 

_Speaker 1: LUISA BOCCHIETTO | independent professional architect and designer and Former president of World Design Organization 

Die Architektin und Designerin ist Absolventin des Polytechnikums Mailand und arbeitet mit ihrem eigenen Studio in Biella. Ihre Arbeit inkludiert Stadterholungs-, Gebäudesanierungs- und Stadtplanungsprojekte, sie ist Art Director für Unternehmen der Möbelbranche und hat Gastprofessuren an mehreren Designschulen. Sie ist Autorin von Architektur- und Designartikeln und hielt Konferenzen in Italien und im Ausland ab. Weiters ist sie Teil internationaler Preisgerichte und Designförderungsveranstaltungen auf der ganzen Welt.

 

Abstract
Title: News Step in Design

Nach der industriellen Revolution und nach einer Zeit, in der Design aufkam, erleben wir heute eine weitere Revolution: die digitale. Der durch diese Revolution eingeleitete Prozess der Entmaterialisierung macht auch vor Design nicht Halt. Der Fokus auf materielle Produkte weitet sich auch auf Prozesse und Dienstleistungen aus. Noch heute arbeiten wir mit Methoden, die in den letzten hundert Jahren entwickelt wurden und nutzen sie für die industrielle Herstellung ästhetischer und funktionaler Produkte (Form und Funktion) sowie vermehrt auch für die Entwicklung immaterieller Prozesse und Dienstleistungen für die Gemeinschaft. Stand bisher der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt unseres Interesses, einschließlich der Anwendung von Ergonomie, der Entwicklung des Design-für-alle-Ansatzes, bis hin zur Befriedigung seiner Träume, so ist es jetzt an der Zeit, Paradigmen zu überdenken und uns auf den Respekt für unseren Planeten zu konzentrieren. Es ist Zeit, als Mensch einen Schritt zurück zu machen und – in Ehrfurcht – nicht mehr nur die eigenen Bedürfnisse im Blick zu haben, sondern auch das Gemeinwohl. Diese dringliche Notwendigkeit ist nun stärker in unser aller Bewusstsein. Die aktuelle Pandemie macht die Ungleichgewichte für uns spürbar, die wir mit unserem Durst nach Eroberung, Produktion und Konsum geschaffen haben. Wir müssen Ästhetik mit Ethik vereinen. Wo Schönheit ist, muss es auch Verantwortung geben. Wo Innovation ist, muss es auch Nachhaltigkeit geben.

Dies bedeutet nicht, dass wir nicht mehr produzieren, wachsen, kreieren dürfen, doch wir müssen lernen, intelligenter zu arbeiten, weniger Abfall zu produzieren und den Umgang mit nicht-erneuerbaren Ressourcen zu optimieren. Vielleicht ist es an der Zeit, keine Waren mehr zu designen, sondern Lösungen und Leistungen, die unser Zusammenleben verbessen.
Dieser Paradigmenwechsel eröffnet neue Szenarien mit enormem Forschungspotential, vor allem für junge Designer:innen. Von ihnen wird ein multidisziplinärer Ansatz verlangt werden. Dazu gehört auch die Bereitschaft, auf die Bedürfnisse größerer Gruppen von Gesprächspartner:innen einzugehen und die Fähigkeit, Form, Funktion und Nachhaltigkeit zu vereinen.
Für mich ist Nachhaltigkeit das dritte Element, das untrennbar mit den ersten beiden verbunden ist – Aspekte, mit denen umzugehen wir im Laufe der Zeit gelernt haben; nun muss das neue Kriterium in diese Aspekte integriert werden. Ich denke Nachhaltigkeit nicht nur als Umweltkomponente, sondern auch als eine wirtschaftliche und soziale. Aus diesem Grund führt für uns der Weg als „Wachstum“ im Design weiter, als einer, der vom Produkt zum gesamten Produktionsprozess hinführt und als solcher von Beginn auch einen bewussten Arbeitsansatz darstellt.
Design kann Einfluss auf Produktionsmethoden nehmen, indem Materialkonsum und Abfallerzeugung verringert werden. Gleichzeitig kann es auch zum Rückgang der Umweltverschmutzung beitragen, zum Abbau sozialer und genderspezifischer Ungleichgewichte und so den Zugang zu Dienstleistungen und Gütern der Grundversorgung im Sinne der Erreichung der 20/30-Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN SDGs) unterstützen.

 

 

_Speaker 2: Kerstin Scheuch | CENTRO Mexico

© José Jasso

Kerstin Scheuch ist Gründungsmitglied und Generaldirektorin von CENTRO seit seiner Eröffnung im Jahr 2004. Sie ist Expertin für Strategie, Innovation und Bildung und wird unter anderem im Buch Women of Design: Influence and Inspiration (Frauen des Designs: Einfluss und Inspiration.) vorgestellt.

CENTRO ist eine Hochschule für Design, Architektur, digitale Medien und Film in Mexiko-Stadt.

www.3.centro.edu.mx

 

Abstract
Title: Reflections on the future of education

In 2017 organisierte CENTRO eine internationale Konferenz zum Thema künstliche Intelligenz und Kreativität mit führenden ExpertInnen. Ich fragte die Mitwirkenden nach zukünftigen Prioritäten in der Hochschulbildung, und wir alle stimmten in der Erkenntnis überein, dass Daten und Ethik das Herzstück zukünftiger Bildungsinitiativen bilden müssen. Was damals während der Pandemie und der jüngsten industrie-, politik- und nationalitätenübergreifenden Krisen visionär erschien, steht nun unmittelbar bevor: Die Hochschulbildung muss auf allen Ebenen und unabhängig von Segmenten, Themen oder Formaten basierend auf diesen beiden Grundprinzipien neu aufgebaut werden.

In meinem Beitrag möchte ich den Paradigmenwechsel in Bildungsprozessen, Bildungsstrukturen, -umgebungen, -technologien und insbesondere den Bildungszielen hervorheben, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in Gang ist. Mein Ziel ist aufzuzeigen, dass eine erstrebenswerte Zukunft im Kontext systemischer Komplexität, Ungleichheit und Beschleunigung nur durch die Beteiligung aller Stakeholder und durch eine kreative und kollaborative Neuerfindung des gesamten Bildungssystems möglich ist.

 

 

_Speaker 3: Lorenzo Imbesi | Sapienza University Rome

 

Lorenzo Imbesi ist Architekt, Doktor und ordentlicher Professor an der Universität La Sapienza in Rom, wo er Direktor des Centro Interdipartimentale Sapienza Design Research und Vorsitzender des Doktoratsstudiums der Designabteilung ist. Er ist Mitglied des Executive Board der Cumulus Association, Mitglied des Executive Committee der EAD European Academy of Design, Mitglied des Boards der SID Società Italiana del Design und Gastprofessor an vielen internationalen Universitäten. Außerdem verfasste er mehrere Artikel in Zeitschriften und Büchern.
www.uniroma1.it

 

 Abstract
Titel: Designausbildung im postindustriellen Zeitalter

 Der historische erkenntnistheoretische Wandel vom fordistisch-tayloristischen Paradigma der Massenproduktion zu der postindustriellen Entwicklung führt zu einer neuen wirtschaftlichen und produktiven „Geographie“: Da die Industrie der Fertigungslinien entlang der sogenannten Wissensgesellschaft und dem Aufstieg neuer Technologien Spielraum für neue Arbeits- und Produktionsformen lässt, konzentriert sich die Designausbildung auf die neuen Szenarien für kreative Berufe und Chancen für ein Experimentieren mit neuen kritischen Faktoren neben dem Markt als solchem.

SYMPOSIUM
Redesign the Future
10. und 11. Mai 2021, Online-Event

Der Link zum Live-Stream wird zeitnah online gestellt.

detaillierte Informationen zum Programm:
Tag 1, 10. Mai
Tag 2, 11. Mai

Das Symposium wird veranstaltet von der FH JOANNEUM und der Creative Industries Styria in Zusammenarbeit mit dem Green Tech Cluster.