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assembly
Drei Tage lang war Design wieder besonders anziehend.
© Lippzahnschirm

assembly zählt mittlerweile zu einer innovativen Konstante im internationalen Festivalgeschehen und begeistert sowohl das Grazer designinteressierte Publikum als auch Gäste aus dem In- und Ausland. Renommierte Designerinnen und Designer wie Sabrina Stadlober, Andy Wolf, Eva Poleschinski, Franziska Fürpass oder Lena Hoschek haben in den vergangenen Jahren bei assembly mitgewirkt. 50 spannende Designpositionen aus 11 Ländern werden dieses Jahr im gesamten Space02 im Kunsthaus präsentiert. Die weiteste Anreise hat diesmal das Label „life is like a dream“ aus der UNESCO City of Design-Partnerstadt Wuhan in China.

Höhepunkt des Festivals war die Eröffnungsmodenschau am 24. Mai. Dabei zeigten zwölf ausgewählte Labels ihre neuesten Kollektionen: überraschend skulptural, konzeptuell raffiniert und ausgeklügelt minimalistisch. Auch die „Rahmenbedingungen“ versprachen wie immer hohes Niveau. Als „Masters of Ceremony“ fungieren Musiker Rainer Binder-Krieglstein featuring Monique Fessl und Schauspieler Gerald Votava als Moderator; OchoReSotto steuert wieder die Visuals bei. Dieses Jahr wird es bei assembly doppelt spannend: Zusätzlich zum K&Ö Fashion Award hat das weltweit führende Modedesignnetzwerks „Not Just a Label“ (NJAL) mit Sitz in Los Angeles einen Livestream der Eröffnungsmodenschau auf Instagram gezeigt. Dabei vergab der Gründer und CEO der Plattform, Stefan Siegel, eine NJAL+ subscription, die das ausgewählte Label in Sachen Marketing und Vertrieb unterstützt. Highlight unter freiem Himmel war die Streetfashion Show, die mit lässigem Charme erneut die Murinsel für sich einnahm.

Interview

So schnell vergeht die Zeit. 15 Mal assembly und 10 Mal K&Ö Fashion Award. Anlass für ein Gespräch mit Festivalmacherin Karin Wintscher-Zinganel.

 

Wie kam es 2003 zur Premiere von assembly? Was war die Idee?
Unser Gastdesignerprogramm unterstützt von Margarethe Makovec (Kunstverein Rotor) im frisch eröffneten Pell Mell Shop stieß auf so positive Resonanz, dass wir mit Industrial Designer Volker Pflüger beschlossen, eine größere Ausstellung zu organisieren. Im Kulturhauptstadtjahr 2003 starteten wir mit einem Minibudget im Palais Thinnfeld. Dabei konnten wir 20 Designerinnen und Designer präsentieren. Wie der Name „assembly“ ausdrückt, verstanden wir Design und somit das geplante Festival als Montage und grenzten niemanden aus. Wir präsentierten neben Mode-, Schmuck-, Taschen-, Produktdesign und Vintage-Möbel, auch Grafiker, Künstler, Architekten, Videokünstler, Tätowierer sowie Hairstylisten. Renommierte Designbüros wie Robert La Roche nutzten die Präsentationsplattform ebenfalls. Unsere Vision damals: Eine Plattform für Designer zu schaffen, die aufstrebend und in den Startlöchern standen, aber noch keine Shops, Internetauftritt etc. hatten und daher dem Publikum noch nicht so bekannt waren. Wir fanden, es war Zeit für neues Design in Graz. Seit 2008 findet assembly im Rahmen des Designmonat Graz statt. Dadurch verlagerte sich der Fokus immer mehr hin zum Modedesign.

 

Was bedeutet das Designfestival bzw. insbesondere auch der Fashion Award für die steirische Modeszene?
Das Festival selbst versucht junge, aufstrebende Designlabels einem großen Publikum zu zeigen. Die Modeschule Graz nimmt hier einen besonderen Platz ein. Jährlich können ausgewählte Jungdesignerinnen bzw. -designer aus der Modeschule kostenfrei an assembly teilnehmen, sammeln so erste Erfahrungen und bekommen erstmals Kunden-Feedback zu ihren Kollektionen. Zusätzlich können sie Kontakte zu nationalen sowie internationalen Designern knüpfen. Schade finde ich nach wie vor, dass viele steirische Nachwuchsdesigner im Anschluss an ihre Ausbildung an der Modeschule Graz nach Wien, Linz oder ins Ausland gehen müssen, um eine universitäre Ausbildung zu erhalten, da dies leider in Graz derzeit nicht möglich ist. (Absatz vorgezogen) Bis jetzt konnten drei steirische Modedesignerinnen den Kastner& Öhler Fashion Award gewinnen: 2011 Odrowaz, 2013 ni-ly, und 2015 Sabrina Stadlober. Die Auszeichnung bedeutet für die Gewinner eine immense Anerkennung ihrer kreativen Arbeit und gleichzeitig bringt die finanzielle Unterstützung die Möglichkeit, international auf sich aufmerksam zu machen.

 

Ein Spezifikum von assembly ist das Nomadentum. Welche Location ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Nachdem das Palais Thinnfeld ab 2006 als Veranstaltungsort nicht mehr zur Verfügung stand, gingen wir auf Wanderschaft. Wichtig war uns dabei immer, zentrale spannende Orte in Graz zu bespielen. Jede neue Location war eine Herausforderung. Deshalb freuten wir uns umso mehr, dass Grazer Museen uns die Möglichkeit boten und bieten ihre Häuser für assembly zu öffnen. Dies sehen wir als große Auszeichnung. Mit dem Angebot von Barbara Steiner, Leiterin des Kunsthaus Graz, 2017 erstmals das Kunsthaus Graz zu bespielen, ergab sich eine spannende Synergie zwischen Kunst und Design: Erwin Wurms gigantische Textilinstallation „Weltraumschwitzer“ wurde zum spektakulären „Bühnenbild“ für die assembly Eröffnungsmodenschau. 2019 können wir auf mehr als 2.000 Quadratmetern im Kunsthaus zeitgenössisches Modedesign präsentieren.

 

Du bist selbst Designerin. Was ist für dich persönlich der Antrieb, Modedesign zu machen?
Ursprünglich wollte ich Architektin werden, durch meine Ausbildung zur Textildesignerin habe ich dann entdeckt, dass Schnittzeichnen die beste Ausdrucksform darstellt um meine Kreativität umzusetzen. Textile Stoffe faszinieren mich als Material. Die Möglichkeit mit einem fließenden Material 3D-Formen zu erzeugen, finde ich im Modedesign die größte und gleichzeitig spannendste Herausforderung.

 

Die Modedesignszene ist stark weiblich „besetzt“. Ist sie frauenfreundlicher als andere Branchen?
Ich denke spätestens seit Coco Chanel ist die Modewelt gleichberechtigt.

 

30 Mal assembly – vorstellbar?
(lacht) Da muss ich nachrechnen … Aber ja, dann bin ich vielleicht eine Art Lotte Tobisch im Designbereich.