Kulturkritik in Bildern
© Kasumasa Nagai

Illya Pavlov lehrt an der FH Joanneum Kommunikationsdesign und bringt die legendäre Posterschau 4th Block aus seiner Heimat Ukraine nach Graz.

 

Charkiw, das ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine, kurz vor der Grenze zu Russland. Sie hat 1,5 Millionen Einwohner, 42 Universitäten und Hochschulen sowie ein Posterfestival. Was das mit Graz zu tun hat? Eine der treibenden Kräfte hinter dem Kollektiv 4th Block, das für das Posterfestival verantwortlich zeichnet, ist Illya Pavlov. Er ist derzeit Senior Dozent an der FH Joanneum und bringt im Rahmen des Designmonats die Posterschau von 2020 nach Graz. Es war die elfte Poster-Triennale von 4th Block mit dem Titel „Changes“, die in Kiew und Tschernobyl gezeigt wurde.

Grafikerinnen und Grafiker auf der ganzen Welt waren aufgerufen, über die Sprache von Bildern auf ökologische, soziale und kulturelle Probleme hinzuweisen, also über Design einen neuen wie kritischen Blick auf die Welt zu werfen. Die Thematik der letzten Triennale lag auf der Hand: 35 Jahre Tschernobyl, zehn Jahre Fukushima, dann das Corona Virus. Die Aufgabenstellung der Künstlerinnen und Künstler war, sich Gedanken zu machen über die Welt, in der wir leben – eine Welt des permanenten Fortschritts, inklusive seiner positiven und negativen Folgen. Die Kreativen sollten Veränderungen verstehen und analysieren versuchen und nach einem Ausdruck suchen, wie die Utopie eines besseren Lebens Wirklichkeit werden könnte.

4th Block gibt es seit 2003, damals zeigten Designer aus 28 verschiedenen Ländern 800 Arbeiten, die sich allesamt mit Ökologie befassten. Für Pavlov, der mit seiner Partnerin Maria Norzyan die Design- und Branding-Beratung Grafprom Studio betreibt, bietet sich das Plakat als optimales Mittel dafür an –, auch wenn die marktschreierische Medienwelt immer mehr und neue Aufmerksamkeit erfordert. Hier liegt dann die hohe Kunst der Plakatgestaltung darin, die heterogenere Empfängergruppe einzufangen: manches Mal wird ein Zuflüstern genügen, ein anderes Mal wird man eben schreien müssen, sagt Pavlov.

Das Posterfestival auch den Zweck, die Branche auf lokaler und internationaler Ebene zu vernetzen und ein bisschen auch das Leben, wie es ist, zu feiern. Wir haben schließlich kein anderes. Das gilt natürlich auch für Graz. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl aus der Postersammlung, die unter anderem bereits in den USA, in Österreich, in Frankreich, in Polen, in der Schweiz und in Italien zu sehen war. Die Kollektion umfasst insgesamt über 7.000 Poster aus 40 unterschiedlichen Ländern.

 

Text: Daniela MĂĽller