World Domination, Love and Peas
Grand Opening 2023: Revolutionsrede von Patricia Yasmine Graf im Rahmen des Grand Openings

Ich bin Patricia Yasmine Graf, ich arbeite als freischaffende KĂŒnstlerin und Designerin in der „designmetropole aachen“. Mit diesem Netzwerk sind wir seit 2005 auf dem Weg zur Weltherrschaft – mit viel Humor, Liebe und Erbsen!

Meine Mitstreiter:innen und ich haben in den letzten Jahren immer wieder mit diversen Projekten, Performances und Guerilla-Taktiken fĂŒr Irritation und Furore gesorgt, um auf die Dinge aufmerksam zu machen, die wir in unserer Gesellschaft fĂŒr verĂ€nderungswĂŒrdig halten. Auf die Frage, warum wir das tun, haben wir uns die „Weltherrschaft“ auf die Fahnen geheftet. Weil, mal ganz ehrlich, was sonst sollte unser Antrieb sein? Ich habe seit meinem Studium die verschiedensten Dinge gemacht:

Mein eigenes Design-Label gegrĂŒndet, weltweit Messeauftritte und Ausstellungen organisiert, gemeinsam mit vielen Enthusiasten ein grandioses Kultur-Hotel in einer Kirche eröffnet, an der Uni unterrichtet, Design-Thinking-Workshops geleitet und zuletzt ein Artist-in-Residence-Semester in Pakistan absolviert…

Um mir selbst treu zu bleiben, muss ich mich immer wieder selbst neu erfinden und herausfordern. Aber eine wichtige Konstante gibt es bei all den VerÀnderungen in meinem Leben: Ich bin dabei immer der Stimme meines Herzens gefolgt!

Wenn wir die Dinge tun, an denen unser Herz wirklich beteiligt ist, zu denen unser Herz „Ja“ sagt, dann spĂŒren wir eine unbĂ€ndige, kreative Energie, dann sind wir total im Flow. Emotion ist unser Antrieb. Ja, ihr denkt jetzt wahrscheinlich: „Oh Gott, schon wieder so eine mit zu vielen Herzchen in den Augen“?! Aber ich nenne das lieber „strategische NaivitĂ€t“. Ich glaube daran, dass ich aus meinem Radius heraus meine Umwelt beeinflussen kann. Ich habe mich als Produktdesignerin irgendwann gefragt, wie viele Produkte unsere Welt eigentlich noch braucht. Brauchen wir nicht viel mehr gute Ideen, wie wir gemeinsam auf diesem Planeten (ĂŒber-)leben wollen?

Wir als Designer:innen mĂŒssen heute nicht mehr nur Produkte gestalten, sondern idealerweise unsere Zukunft! Die stĂ€ndigen, multiplen Krisen unserer Zeit halten uns extrem auf Trab. Wie wollen wir als Gesellschaft mit diesen Herausforderungen umgehen? Als KĂŒnstlerin und Designerin spĂŒre ich die Verantwortung, mich einmischen zu wollen. Schon im Studium haben wir gelernt, uns und die Gesellschaft stĂ€ndig zu hinterfragen.

Wir Designer haben schließlich einen großen Einfluss darauf, welche Produkte wie nachhaltig und verantwortungsvoll hergestellt werden, da wir ganz am Anfang der Produktionskette stehen. Deshalb haben wir als Designer:innen gerade jetzt einmal mehr die Aufgabe, als Pionier:innen voranzugehen, Übersetzer:innen zu sein und neue Impulse zu geben. Mit meiner Gestaltung kann ich außerdem Einfluss darauf nehmen, wie die Menschen sich an einem Ort fĂŒhlen. Ein Ă€sthetisches Umfeld trĂ€gt zu unserem Wohlbefinden bei. Bewusst ausgewĂ€hlte Materialien und Farben können Emotionen vermitteln und unsere Sinne anregen. Das bezieht sich nicht nur auf einzelne RĂ€ume und GebĂ€ude, sondern auch auf öffentliche PlĂ€tze und unseren gesamten Lebensraum. Der Mensch und nicht der Profit sollte beim Entwerfen im Mittelpunkt stehen.

In unserem aktuellen Projekt in Aachen kreieren wir in 4 bisher leerstehenden Ladenlokalen einen neuen soziokulturellen, inklusiven Begegnungsort. Ein Reallabor, an dem Menschen kulturĂŒbergreifend, generationenĂŒbergreifend und genreĂŒbergreifend zusammenfinden, um gemeinsame Zukunftsvisionen zu entwickeln. Anstatt nur darĂŒber zu reden, wollen wir hier Dinge direkt ausprobieren und experimentieren, trotz möglichem Scheitern.

Dabei ist Partizipation total wichtig. Es geht nicht mehr um das Gestalten eines Objektes fĂŒr die Menschen, sondern darum, gemeinsam mit den Menschen zu gestalten. Jede Partizipant:in trĂ€gt ein eigenes PuzzlestĂŒck zum großen Ganzen bei. Das eröffnet immer neue Perspektiven. Wir begegnen uns offen und neugierig, lernen voneinander. Die Transformation beginnt in uns selbst. Den Wandel, den wir uns fĂŒr unsere Gesellschaft wĂŒnschen, lernen wir zuerst in uns und fĂŒr uns selbst zu vollziehen. Das bedeutet fĂŒr mich mittlerweile „DESIGN“ – das verantwortungsvolle Gestalten des eigenen Lebens, des eigenen Umfeldes und unserer gemeinsamen Lebenswelt!

Revolution bedeutet fĂŒr mich, dabei radikal ehrlich zu mir selbst zu sein!

Mich zu reflektieren und zu erspĂŒren, was wirklich meiner Wahrheit entspricht und was ich brauche, um glĂŒcklich zu sein. Nur wenn ich das weiß, kann ich auch voll fĂŒr mich und meine BedĂŒrfnisse einstehen. Es geht darum, die eigenen Emotionen, Ängste und Grenzen zu erkennen, anzuerkennen und anzunehmen und den Mut zu haben, dem eigenen inneren Kompass zu folgen, auch wenn die Außenwelt vielleicht etwas anderes von mir zu erwarten scheint. Nur wenn ich mich selbst wirklich verstehe und ernst nehme, kann ich auch meine Mitmenschen besser verstehen und ernst nehmen und echtes MitgefĂŒhl entwickeln. Dann erwarte ich auch nicht irgendeine Rettung von außen. Ich gebe die Opferrolle auf und trage die Verantwortung fĂŒr mich selbst! Auch das ist ein stĂ€ndiger Lernprozess und ich bin noch lange nicht am Ziel.

Aber eines weiß ich: DIE WELT BRAUCHT MEHR LIEBE UND MITGEFÜHL!

Ich glaube, wir mĂŒssen unser System revolutionieren, hin zu mehr Menschlichkeit und gegenseitigem VerstĂ€ndnis. Und das fĂ€ngt immer bei uns selbst an. In Pakistan habe ich erlebt, dass die Menschen dort zwar viel weniger haben als wir hier, aber dass dafĂŒr das GemeinschaftsgefĂŒhl und die gegenseitige Hilfsbereitschaft viel grĂ¶ĂŸer sind. Wir Menschen sind emotionale Wesen, wir brauchen Anerkennung fĂŒr das, was wir tun. Im besten Fall von uns selbst, aber das ist nicht immer einfach, wenn wir immer noch in den tĂ€glichen Vergleichen und Machtspielchen unserer Wachstumsökonomie feststecken und generationenlang so konditioniert wurden, dass sich dabei viele Menschen unbewusst, von Angst gesteuert, hinter möglichst eloquenten WorthĂŒlsen verstecken, anstatt ins Handeln zu kommen. Ich wĂŒnsche mir mehr Einfachheit und AuthentizitĂ€t, mehr Leichtigkeit, mehr Spaß und Lebensfreude.

Naiv betrachtet, könnte es doch eigentlich ganz einfach sein. Wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, komme ich wohl eher nicht auf die Idee, einem anderen auf die Fresse zu hauen. Wenn also jeder Mensch in seinem eigenen Radius damit anfĂ€ngt, fĂŒr inneren Frieden zu sorgen, dann haben wir im besten Fall automatisch auch im Außen weniger Kriege in dieser Welt (nur mal so als Beispiel). Und ich bin mir bewusst, dass das fĂŒr den einen oder die andere hier vielleicht zu einfach klingt, aber es ist meine Wahrheit und ich stehe dazu. Energie folgt der Aufmerksamkeit! Ich richte meinen Fokus auf das, was sich fĂŒr mich stimmig anfĂŒhlt. VerstĂ€ndnis und aufrichtige WertschĂ€tzung funktionieren wie Schmieröl im Getriebe. Ich setze meine Visionskraft dafĂŒr ein, um bei egal welchem Konflikt die bestmögliche Lösung zu finden, bei der am Ende alle Beteiligten Gewinner sind. An diese Möglichkeit zu glauben, ist der wichtigste Schritt. Die Liebe erledigt den Rest. Ich öffne mein Herz, lasse sie durch mich hindurchfließen, in meine Handlungen, meine Projekte, und ich spĂŒre: Das ist meine Essenz. Das verĂ€ndert Prozesse. Das ist meine Superkraft! Und diese Superkraft steckt in jedem von uns, so viel steht fĂŒr mich fest! Lasst sie uns bĂŒndeln, fĂŒr ein gemeinsames „Redesign“ unserer Gesellschaft.

Denn schon Joseph Beuys wusste:
„Die Zukunft, die wir wollen, die mĂŒssen wir selbst erfinden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.“

Vielen Dank!

Patricia Yasmine Graf

Dipl. Produktdesignerin / GeschĂ€ftsfĂŒhrerin HOTEL TOTAL Kreativ- und Eventagentur UG. Patricia Yasmine Graf ist freischaffende KĂŒnstlerin und Designerin aus Aachen und MitbegrĂŒnderin des kreativwirtschaftlichen Netzwerkes designmetropole aachen.

Sie bezeichnet sich selbst gerne als „Creative Allrounder“. Ihr beruflicher Werdegang, der einst mit der Ausbildung zur Produktdesignerin begann, ist geprĂ€gt von einer enormen Vielseitigkeit und dem steten Mut zur VerĂ€nderung. Ihr Weg ist geradezu gepflastert mit den verschiedensten Projekten, Initiativen und GrĂŒndungen. Unmittelbar nach ihrem Diplom in Produktdesign startete Patricia ihr eigenes Label PYGÂź. Sie ist GrĂŒndungsmitglied von kreativwirtschaftlichen Netzwerken wie designmetropole aachen und CHE – Creative Hub Euregio, sie ist Teil des Vorstands im Hi, wir sind die Meffis! e.V, sitzt im Beirat des EFRE-Projektes FLOW.NRW / #urbanana, fungiert als geschĂ€ftsfĂŒhrende Gesellschafterin der HOTEL TOTAL Kreativ- und Eventagentur und war als Dozentin u.a. an der Fachhochschule Aachen, der Akademie der Bildenden KĂŒnste in Maastricht sowie am Institut fĂŒr StĂ€dtebau der RWTH Aachen tĂ€tig. Nach einem Artist-in-Residence Semester am National College of Art in Lahore, Pakistan im FrĂŒhjahr 2022 ist sie aktuell unter dem Titel CREATIVE DRIVER als Chauffeurin und kreative Begleiterin der Aachener OberbĂŒrgermeisterin unterwegs.